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Kapitel 2: Bekenntnisse einer jungen Autorin

Es ist 2:30 Uhr und draußen geht die Welt unter. Eigentlich ist es Sommer, und eigentlich sollte es still und restwarm sein, und schlafen ist auch eine verdammt gute Idee.

Aber: Nachts ab halb eins kommen immer die besten Ideen, da wird man plötzlich kreativ, da stört einen auch keiner mehr, man kann Facebook auch ruhig mal offen lassen, ohne dass einen alle fünf Minuten jemand anschreibt, den man eh nicht leiden kann. Die Autorin ist ehrlich.

Es ist 2:43 Uhr, und es gewittert. Das hat es zwar schon am Mittag, und dann noch mal am Nachmittag, und wenn man es genau nimmt auch am späten Abend noch einmal, aber dafür scheint sich das Wetter nicht besonders zu interessieren. Eine junge Autorin sitzt am Schreibtisch, isst die letzten Stücke Schokokeks, um sich mit dem daraus resultierenden Blutzuckeranstieg noch eine Stunde zu kaufen. Geschichten werden heutzutage nachts geschrieben.

Es blitzt und donnert, die Stimmung wird direkt in den Text mit einbezogen, das muss ja auch für was gut sein, dieses Dreckswetter, denkt die Autorin und dann blitzt und donnert es auch in ihrer Kurzgeschichte. Schreiben nur noch dann, wenn nichts anderes mehr geht. Kulturelle Rebellion, wo sie keiner mitbekommt. Clever.

Es ist 3:33 Uhr als ihre Augen den Geist aufgeben. Nicht sicher, ob das Dokument gespeichert ist, kriecht sie vom Schreibtisch in das Bett, blinzelt sie sich in den Schlaf. Keine fünf Stunden später schreckt sie wieder hoch. Der Wecker tut seinen Dienst. Müde schleppt die Autorin sich nach dem ersten Tee an den Computer, um das Ergebnis der letzten Nacht zu begutachten. Sie erinnert sich selten an das, was sie im Halbschlaf schrieb, während die ersten Busse Frühaufsteher durch die Stadt transportieren. Eine spannende Lektüre.

Ihre benommene Statusmeldung auf allen Social Networks ist erfüllt vom Geist der jungen Autoren.
„Ich weiß nicht, wer den Schund hier gestern Nacht in meine Geschichte geschrieben hat. Wer auch immer du bist, hier hast du einige Kommata, teil sie dir gut ein.“

Eine halbe Stunde später kommentiert sie ihren eigenen Eintrag.

„Schlaf wird überbewertet. Korrigiere meine Fehler der letzten Nacht. Ich muss freundlichere Musik hören, wenn ich Texte schreibe, dann sterben vielleicht nicht mehr alle. Eigentlich muss ich noch in die Stadt. Keiner will mit mir zu Mediamarkt fahren. Meine Mutter hat mir eine Pippi Langstrumpf Girlande geschickt. Ich brauche noch Nudeln.“

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Über catroofdance

Creative Writer. Gamer Girl. Mad. Wearing animal hats. Sleeping with books and paper. Obsessive.

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